Entwicklung des Vereins

1988, ausgelöst durch eine wachsende Zahl Obdachloser am Südbahnhof und im Innenhof des Deutschordenhauses, beschlossen wir, ein kleiner Kreis von Privatpersonen, uns dieser komplexen Notlage zu stellen und dafür im Stadtteil Frankfurt Sachsenhausen Unterstützung von Bürgern und Kirchengemeinden zu gewinnen.

1994 Gründung der Lazarus Wohnsitzlosenhilfe und Aufbau eines umfassenden Hilfeangebotes: eine medizinisch-pflegerische Ambulanz, Sozialberatung, ein Tagescafé sowie eine Betreute Wohngemeinschaft in Franfurt Bornheim.

Bürgerschaftliches Engagement: Einsatz ehrenamtlich arbeitender Fachkräfte (insbesondere Ärzte und Pfleger). Mitarbeit von Lazarus Förderkreismitgliedern bei Hilfeleistungen und kulturellen Angeboten. Einbeziehung und Beteiligung von betroffenen Personen in Projektarbeit.

2013, nach fast 20 Jahren, Entwicklung zum Förderverein und Aufgabe der von Lazarus eigenständig betriebenen Hilfen. Auf der Basis einer langjährigen engen Kooperation mit dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten e.V. und zur Aufrechterhaltung der medizinisch-pflegerischen Ambulanz erfolgte ihre  Integration in die Einrichtung des Frankfurter Vereins „Übernachtungsstätte Ostpark“ mit einer Förderungsvereinbarung durch Lazarus.

Lazarus fördert seither auch weitere soziale Projekte in der Wohnungslosenhilfe mit dem Schwerpunkt der medizinischen Versorgung. Durch Benefizaktionen und Veranstaltungen mit wohnsitzlosen Gästen sind Lazarus Förderkreismitglieder weiterhin aktiv.

 

Auszeichnung des Engagements

1997 konnte Lazarus mit dem gesamten Hilfeangebot in das Affentorhaus einziehen.
Die „Walter Möller Plakette für Bürgerschaftliche Mitarbeit“ für 2000 wird der Lazarus Wohnsitzlosenhilfe e.V. verliehen. Frankfurt am Main, den 20.November 2000

Aktives bürgerschaftliches Engagement

Lazarus hat von Anfang an versucht, möglichst viele Menschen von der Notwendigkeit der Hilfeangebote zu überzeugen und professionelle ehrenamtliche Mitarbeiter, insbesondere Ärzte und Pfleger, in die Arbeit mit einzubeziehen.
Der 2006 gegründete Förderkreis ermöglichte über die Grundbedürfnisse  hinausgehende Angebote  von Ausflügen und Festen, bei deren Durchführung auch betreute Personen mit eingebunden waren, beispielsweise bei der jährlichen Nikolausfeier.

Gründungsmitglied & Vorsitzende

Bettina von Bethmann

Bettina von Bethmann

Bettina von Bethmann ist Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Lazarus Wohnsitzlosenhilfe e.V. seit seiner Gründung im Jahr 1994. Ab 2002 war sie auch als Geschäftsführerin tätig. Ihre Aufgaben waren die Öffentlichkeitsarbeit, das Aquirieren und Verwalten  von Spenden, die  Dokumentation und Präsentation der Arbeit.  Nicht wegschauen, sondern Bedürftigen auf Augenhöhe begegnen – nach diesem Leitmotiv hat Lazarus am Affentorplatz ein freizugängliches ganzheitliches Hilfeangebot aufgebaut und mit vielen Aktivitäten darüber hinaus auch Räume zur Begegnung eröffnet.

2013, nach fast 20 Jahren, hat Lazarus zwar die eigenen Hilfeleistungen vor Ort aufgegeben, engagiert sich aber als Förderverein weiterhin intensiv für die Belange wohnsitzloser Menschen, unterstützt  und fördert  insbesondere Projekte der medizinischen Versorgung. Mit seinem Freundes- und Förderkreises tritt Lazarus für die Notwendigkeit dieser Hilfeleistungen ein und wirbt für ihre Unterstützung

Interview mit Bettina von Bethmann

Frau von Bethmann, wie kamen Sie zu Ihrem Engagement für obdachlose Menschen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Es war im Jahr 1988. Ich folgte einem Hinweis in unserem Gemeindebrief, dass für eine „Obdachlosenspeisung“ Helfer gesucht würden und meldete mich im Affentorhaus bei Sr. Hemma. Die Menschen, denen ich dort begegnete, waren in einem erbarmungswürdigen Zustand. Da hat es mich gepackt. Der übliche Abschiedsgruß „komm gut nach Hause“ blieb mir im Hals stecken.

Sie sind seit 1994 als treibende Kraft bei Lazarus aktiv und packen selbst mit an. Was hat Sie in all den Jahren Ihres Engagements für Lazarus besonders geprägt:

Gottvertrauen, tiefes Gottvertrauen. Bewunderung und Dankbarkeit für die große Hilfsbereitschaft. Das Glücksgefühl zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Wenn Sie die Situation von wohnsitzlosen Menschen in Frankfurt heute betrachten – was hat sich geändert? Und was nicht?

Ihre Wahrnehmung. Damals hatten sie kaum eine Lobby. Im Gegenteil! Mit der Behauptung „die wollen es gar nicht anders“ war für die meisten Menschen das Thema schon abgetan. Es war uns wichtig, keine Geringschätzung zuzulassen. Dafür haben wir uns eingesetzt. Heute gibt es eine Vielzahl und eine Vielfalt an guten Hilfeangeboten. So muss es sein, denn den Wohnsitzlosen schlechthin gibt es nicht.

Seit 2013 sind Sie mit Lazarus als Förderverein aktiv. Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Hinblick auf die Menschen, die Sie mit Lazarus unterstützen?

Dass sie nicht aus dem Blickfeld geraten, dass Hilfsbedürftige nicht gegeneinander ausgespielt werden, dass die Erkenntnis mit Leben erfüllt wird: Kranken und Schwachen zu helfen ist die Würde der Gesunden. (Klaus Dörner)

Ärztin der Ambulanz im Ostpark

Dr. Dagmar Hetzel

Dr. Dagmar Hetzel

Frau Dr. Dagmar Hetzel hatte gemeinsam mit ihrem Mann, dem Krankenpfleger Klaus Hetzel, schon vor Gründung des Vereins der Lazarus Wohnsitzlosenhilfe e.V. kranke obdachlose Menschen vor Ort aufgesucht. 1994 wurde Frau Dr. Hetzel von der Kassenärztlichen Vereinigung ermächtigt, im Rahmen der medizinischen Ambulanz der Lazarus Wohnsitzlosenhilfe e.V. im Affentor zu praktizieren.  Seit 2013 nimmt sie diese Aufgabe für den Frankfurter Verein e.V. in  der  Ambulanz im Ostpark  wahr, wo sie  einmal  wöchentlich eine Sprechstunde vor Ort abhält. Sie wird von einem ehrenamtlichen, mit großer Zuwendung arbeitenden Ärzteteam und dem Pflegepersonal unterstützt.

Interview mit Dr. Dagmar Hetzel

Frau Dr. Hetzel, Sie setzen  sich schon seit vielen Jahren für obdachlose Patienten ein. Sie sind beruflich und privat stark eingespannt  und haben sechs Kinder. Was bewegt Sie, sich dennoch für die Menschen am Rande der Gesellschaft zu engagieren?

Mein Glaube an einen barmherzigen Gott, der zu tätiger Nächstenliebe auffordert, bewegt mich, Menschen am Rande unserer Gesellschaft Hilfe anzubieten.

Zu Beginn Ihres Engagements haben Sie kranken Obdachlosen auch auf der Straße Ihre medizinische Hilfe angeboten, was damals noch sehr ungewöhnlich war. Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Wir wurden zu einem älteren Mann gerufen, der mitten auf einer Verkehrsinsel lag. Er war durch Dehydrierung zu schwach, um sich aus eigener Kraft von dort wegzubewegen. Mehrere Krankentransportwagen, die wir gerufen hatten, lehnten die Mitnahme wegen des Madenbefalls auf der großen offenen Wunde am Bein ab. Wir transportierten ihn mit einem Rollstuhl in unsere Ambulanz. Nach der Erstversorgung und Wundreinigung war der 4. Rettungswagen bereit, ihn ins Krankenhaus zu fahren.

Obdachlose Frauen sind in der öffentlichen Wahrnehmung eher seltener. Ist das tatsächlich so?

Ca. 15 % unserer Patienten sind Frauen. Sie sind oft psychisch krank, schwer zugänglich und benötigen viel Geduld und Zuwendung im Gespräch.

Hat sich unsere Wahrnehmung und unser Umgang mit diesem Personenkreis im Laufe der Jahre geändert? Bleibt für Lazarus nach wie vor noch viel zu tun?

Aufgrund der Kontakte mit Asylanten mag sich das Thema in der Wahrnehmung der Bevölkerung gegenüber Menschen in Not geändert haben. Die Not ist näher gekommen, manchmal sogar hautnah. Der ein oder andere mag abgestumpft sein, will von diesem Thema nichts mehr wissen. Mein Umgang hat sich dadurch nicht verändert. Gerade die vielen Menschen, die nicht versichert sind, viele aus osteuropäischem Raum, benötigen unsere Hilfe. Daher bleibt auch für Lazarus viel zu tun

Ehrenamtliche Mitarbeiterin

Sr. Christine

Sr. Christine

 

Schwester Christine, Diakonisse im Frankfurter Diakonissenhaus,  ist ausgebildete Erzieherin und  Dipl. Sozialpädagogin.  13 Jahre lang arbeitete sie in einem Heim für erziehungsschwierige junge Mädchen.  Anschließend war sie 9 Jahre als Fachlehrerin an der Fachschule für Sozialpädagogik des Frankfurter Diakonissenhauses tätig für sozialpädagogische Fächer wie Jugendhilfe, Jugendrecht und Heimpädagogik.  Von 1988 – 2004 arbeitete sie in der Frankfurter Bahnhofsmission. Seit 2004  leitet sie in Zusammenarbeit mit der Teestube Jona den ökumenischen Arbeitskreis „Option für die Armen“.

In dieser Zeit begann auch ihre ehrenamtliche Mitarbeit im Tagescafé vor Ort bei der Lazarus Wohnsitzlosenhilfe e.V. und im Förderkreis.

Sr. Christine ist unermüdlich für wohnsitzlose und in Armut lebende Menschen in Frankfurt unterwegs. Sie hört ihnen zu, trägt ihre Nöte im Herzen, nutzt und knüpft Kontakte, die sie gezielt einsetzt und  organisiert konkrete Hilfe. Der jährliche „Gedenkgottesdienst für obdachlos und drogenabhängig Verstorbene“, den sie seit nunmehr 17 Jahren mit gestaltet,  ist ihr ein großes Anliegen.

 

Interview mit Schwester Christine

Sie arbeiten schon viele Jahre bei Lazarus ehrenamtlich mit. Worin sehen Sie aktuell Ihre Aufgaben?

Meine aktuelle Aufgabe sehe ich darin, einzelne Personen auch weiterhin zu begleiten, für die ich im Tagescafé, der Ambulanz  und der Wohngemeinschaft Ansprechpartnerin  war. Durch die  Fördermaßnahme „Persönliche Beihilfen“, die der Verein gewährt, kann ich auf Hilfen in vielfacher Form zurückgreifen  bzw. sie anfordern.

Was beeindruckt Sie am meisten bei den Menschen, für die Sie sich einsetzen?

Mich beeindruckt vor allem mit welcher Gelassenheit und teilweise Selbstverständlichkeit sie ihre Situation hinnehmen. Manchmal begegnet mir trotz allem sogar eine gewisse Zufriedenheit. Sie wissen sich angenommen, wertgeschätzt und anerkannt.

Was halten Sie für besonders wichtig bei Hilfen für bedürftige Menschen? Was empfehlen Sie?

Besonders wichtig ist:  zuallererst den Menschen annehmen, seine Situation erfragen,  Hilfen als Selbstverständlichkeit anbieten. Eine besondere Empfehlung:  sich selbst zurücknehmen, den anderen Menschen die Erfahrung von Wertschätzung machen lassen.

Mitglied im Förderkreis

Heike Liening

Heike Liening

Heike Liening studierte Kirchenmusik in ihrer Geburtsstadt Berlin. 1989, mit dem Beginn ihrer Tätigkeit als hauptamtliche Kirchenmusikerin an der Osterkirche in Frankfurt-Sachsenhausen, entstand der Kontakt zur Lazarus Wohnsitzlosenhilfe e.V.,  für die sie  den feierlichen Einzug ins Affentorhaus musikalisch umrahmt hat.

Im Laufe der Jahre brachte sie mit den von ihr geleiteten Chören, dem Osterchor (Kirchenchor der damaligen Ostergemeinde) und dem Kammerchor “Rödelheimer TonArt“ (größtenteils Ensemblemitglieder der „Frankfurter Kantorei“)  eine beachtliche Zahl hochqualifizierter unvergessener Benefizkonzerte zur Aufführung,  darunter Chor- und Orgelwerke, Marienlieder, Musikalische Exequien und das  Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach erklärt für Kinder.

Interview mit Heike Liening

Frau Liening, Sie haben sich mit Benefizkonzerten und auch persönlich vor Ort für die Ziele von Lazarus eingesetzt. Was hat Sie motiviert, sich für obdachlose Menschen zu engagieren?

 Die Arbeit von Lazarus bewundere ich von Anfang an und im Besonderen das Engagement von Frau von Bethmann. Sie war und ist meine Motivation, mich durch die Musik für Lazarus unterstützend mit einzubringen.

Was nehmen Sie selbst durch Ihr Engagement mit?

 Zum einen ein gutes Gefühl, etwas für die Ärmsten unter uns getan zu haben. Zum anderen auch die schöne wohltuende Erfahrung, dass alle Menschen, die ich bislang bat,  für diese Sache zu singen oder zu musizieren, freudig und bereitwillig zusagten und gerne (unentgeltlich) mitmachten.

Jede, wirklich jede einzelne Spende zählt.
Jede einzelne kann viel bewirken,
macht uns dankbar.